Seefahrt,Meer+Reisen

Norddeutscher Lloyd 1950 - 1970

     

Eine kleine Zeitreise in die 60. Jahre der Seefahrt

Verglichen mit der jetzigen "Seefahrt" war es damals auf den Stückgutfrachtern des Norddeutschen Lloyd  glaube ich sehr viel spannender und ohne Verklärung einfach auch Abenteuerlicher. Wenn man allein die Liegezeiten in den Häfen bedenkt, 3-4 Tage oder eine ganze Woche war keine Seltenheit. Wir konnten an Land gehen und brauchten nicht auf Reede liegen. Dadurch hatten wir viel mehr Möglichkeiten etwas zu unternehmen als heute. Trotzdem habe ich nicht vergessen, wie schwer und mühsam die Arbeit zu der Zeit an Bord war.

Ich möchte auf diesen Seiten nach und nach Bilder und Geschichten präsentieren wie sie mir in Erinnerung geblieben sind.

schroeder.helmuth@t-online.de

Die Schiffsbilder und Fotos stammen aus meiner Sammlung (Copyright Helmuth Schröder), und von dem OCC Verlag:= Ocean Comfort Company m.b.h. Bremerhaven, Bremen, und wurden auf den jeweiligen Schiffen an die Besatzungsmitglieder ausgegeben. Die Ansichtskarten der jeweiligen Hafenstädte sind aus meiner Sammlung und stammen alle aus den Jahren 1950 bis 1965.                             

 

  

La Paloma Flamencos                                                                                  

 

 

MS "Lindenstein" 1965
Mein Seefahrtbuch

 

 

 

Die erste Reise, auf "Großer Fahrt" !

Am 30. Oktober 1965 hieß es für die "Lindenstein" "Leinen Los" von Bremen über Hamburg, Rotterdam und Le Havre ging es bei schwerer See weiter nach Nassau auf den Bahamas, und verschiedene Häfen im US Golf. Wir sind den Mississippi raufgefahren, New Orleans und schließlich bis nach Mexico, Vera Cruz und Tampico.

Route MS "LINDENSTEIN" 1965 Bremen - US Golf - Mexico

 

 

 

Für die MS "Lindenstein" war es die erste Reise unter der NDL Flagge, mit dem Kapitän M.Wünderlich. Der Frachter gehörte damals der Uddevalla Reederei Schweden, und fuhr unter dem Namen "Clary Thorden". 1965 wurde das Schiff vom Norddeutschen Lloyd übernommen, und blieb noch unter der Lloyd Flagge bis 1970, dann übernahm Hapag-Lloyd das Schiff.

Lloydflagge bis 1970

 

Clary Thorden

 

1971 wurde die Lindenstein nach Griechenland verkauft, dann weiter nach Panama wo sie unter dem Namen "Navikapol" noch bis 1984 eingesetzt wurde. Am 26.10.1984 Abwrackbeginn in Kaohsiung.

"Navikapol" ehemals MS "Lindenstein"

 

 

 

MS "Nabstein", 1966 zwei weitere Reisen.

MS "Nabstein"

 

(Schiffspostkarten, Nabstein + Illstein O.C.C. Verlag Bremerhaven, so wie sie an die Besatzung ausgegeben wurden)  

 

MS "Illstein", 1967 ging es wieder in den US Golf.

MS "Illstein"

 

Immigration-Ausweis für die USA 1967
Schiffsmodell MS Lindenstein
Abschied von Le Havre 1965

Von Le Havre über den Nord-Atlantik, nach 14 Tagen der erste Hafen, Freeport Bahamas.

 

So macht man sich zum Deppen der Schiffsbesatzung !

Wenn man um 4:00 UHR morgens geweckt wird, um den Kompass-Schlüssel von der Brücke zu holen. Dort angekommen wurde gejohlt und gefeixt, ich wäre am liebsten über Bord gegangen...

Da sitze ich im November 1965 mit zwei älteren Matrosen in Veracruz auf einer Plaza, und erzähle denen, dass ich eine hübsche Mexikanerin kennengelernt habe. Fragen die mich "Geht sie an die Buddel ?" Nö, sage ich ist mir nicht aufgefallen das sie Alkohol trinkt. Den Gesichtsausdruck der zwei werde ich nie vergessen. Ich brauchte etwas länger um das zu begreifen. Danach rief man mich an Bord immer "Oije"...

 

 

               Seemannskneipen

 

"ZUM SILBERSACK"

1949, mein Geburtsjahr war auch das Eröffnungsjahr des "Silbersack" Seemannskneipe in Hamburg, St.Pauli. Die Kneipe existiert noch heute. Immer wenn ich in Hamburg bin, geht's auf ein "Astra" in den "Sibersack". Ist wie eine Zeitreise, Erinnerungen werden wach...

 

"Silbersack" Seemannskneipe in Hamburg Postkarte aus den 50/60 Jahren
PORT INN, Panama City,Florida Postkarte 1965

 

 "PORT INN"

Das "Port Inn" in Panama City von Golden und Edna Bush, hier habe ich mein erstes "American Budweiser" Bier getrunken. Zu der Zeit gab es in den USA eigentlich für unter 21jährige keinen Alkohol...aber der "Bäcker" von der MS "Lindenstein" machte es möglich. Wie auch immer, ich kam in den nächsten Jahren noch zweimal wieder, wurde von Edna Bush erkannt und bekam auch wieder "Budweiser" Bier...

 

 

 HAFENGESCHICHTEN

 

TAMPICO

Kurz vor Tampico

"Cucurrucucu Paloma" ist ein mexikanisches "Huapango" Lied (mexikanischer Volkstanz und Musikstil) geschrieben von Tomas Mendez im Jahr 1954. Harry Belafonte sang es in der Carnegie Hall.

 

 

 

Beim Einlaufen in Tampico,von der "Lindenstein" aus fotografiert
Der Schlepper bringt uns an die Pier von Tampico

 

 

 

 

Fein gemacht zum Landgang in Tampico, weißes Hemd, kurze weiße Hose (zuvor noch an Bord beim1. Steward gekauft) wollte ich mich abmelden. Leider musste ich mich wieder umziehen. Kurze Hose im damals prüden Mexico war nicht statthaft. In den US Häfen von Texas und Louisiana war es nicht anders. Auch meine Armbanduhr musste ich an Bord lassen, die Gefahr eines Überfall wäre zu groß hieß es vom Wachhabenden Offizier. In der Hafengegend von Tampico, ganz in der Nähe von obskuren Unterkünften aus Wellblech und Dachpappe, genannt  „Fishtown “war es wohl zu der damaligen Zeit nicht ganz ungefährlich. Aber mich, gerade mal 16 Jahre alt, kümmerte das nicht weiter. Zu groß war die Neugier und die Spannung auf den ersten Landgang in Mexico. Wir hatten einige Tage Liegezeit und es sollte reichen, sich einen ersten Eindruck von Land und Leuten zu verschaffen. Nie vergessen werde ich den Zutritt zu einer Hafenbar in Tampico, Schwingtüren, wie ich sie nur aus Western-Filmen kannte und eine lange Theke, wo sich nur Männer aufhielten, vor dem Tresen am Fußboden war eine Ablaufrinne, in die ständig Wasser rieselte. Zigarettenkippen und sonstiges wurde da entsorgt. Aber sie diente auch als Urinal. Ich fand das ziemlich eklig, und suchte mir auf einer nahe gelegenen Plaza einen Tisch wo ich im Gegensatz zu den US Häfen unkompliziert ein „Cerveza“ bestellen und trinken konnte. Als ich später wieder an Bord wollte, flankierten an der Pier vor der MS „Lindenstein“  auffällig viele Damen jeglichen Alters, leichte Mädchen im Seemannsjargon „Dockschwalben“. Einige konnten auch etwas Deutsch, so versuchte ein hübsches junges Mädchen mit mir an Bord zu gelangen, gegen Bezahlung einiger Pesos (umgerechnet dürften das wohl damals ca.10.-DM gewesen sein). Der Wachhabende Offizier wusste das allerdings zu verhindern. Im Nachhinein durfte ich ihm wohl dankbar sein, einige Kollegen auf der „Lindenstein“ hatten sich bei den "Damen" infiziert. Sie benötigten später die übliche medizinische Hilfe des 3.Offiziers, der gleichzeitig Sanitäter war. Einen Arzt hatten wir nicht an Bord. Somit endete mein erster Landgang in Mexico ohne weitere Blessuren.

Ansichtskarte Tampico1965

 

VERACRUZ

 

Ansichtskarte Vera Cruz 1965

 

 

 

 

 

Als wir in Veracruz ankamen hatte ich ja schon einiges über Sitten und Gebräuche der Mexikaner erfahren, und verhielt mich entsprechend. Kleidung Gesten etc. Der erste Landgang in Veracruz fand wieder auf einer Plaza in der Nähe des Hafens statt, ständig wurde ich von Schuhputzern bedrängt. Mir war das peinlich, ich war es nicht gewohnt meine Schuhe putzen zu lassen. Schließlich willigte ich doch ein, es war glaube ich, ein Peso den ich dafür zahlen sollte, ca. 30 Pfennig. Ich gab dem kleinen Schuhputzer 10 Peso, er starrte mich mit großen Augen an, und lief rückwärts mir zugewandt so schnell er konnte davon. Vielleicht hatte er ja Angst ich würde ihm das Geld wieder abnehmen. Die Konfrontation mit der Armut dieser Menschen war mir neu und lehrte mich für die Zukunft besser damit umzugehen. Das „Mi Ranchito“ eine damals legendäre Hafenbar etwas außerhalb von Vera Cruz gelegen, erreichten wir  (zwei Kollegen der „Lindenstein“ begleiteten mich) mit dem Taxi in ca. 10 Min.  Als wir die Bar betraten, habe ich noch in Erinnerung, ein großer Raum, rechts ein langer Tresen an dem meistenteils wohl Seeleute standen. Gegenüber war eine Reihe von Stühlen aufgebaut, auf denen saßen Frauen und auch junge Mädchen. Nach und nach verschwanden einige der Männer und Frauen, schräg gegenüber des „Mi Ranchito“ war eine Art Hotel, da hatten die Frauen saubere kleine Zimmer teilweise mit Dusche, zu einem Preis der heute geradezu entwürdigend anmutet. Ich brauchte jedenfalls nie die medizinische Hilfe des 3. Offiziers in Anspruch nehmen. Deutsche Seeleute waren damals bei den "Mexikanischen Damen" sehr beliebt. Wieder an Bord, begann mein Dienst um 6:00 UHR morgens. Der erste Steward Wolfgang hatte mal wieder mit seinem Kumpel, unserem Koch Adolf etliche Flaschen Whisky geleert, und lag noch im Koma. So musste ich notgedrungen im „Salon“ den Tisch eindecken und dem Kapitän, dem 1.Offizier und dem Ltd. Ingenieur das Frühstück servieren. Sehr zur Verwunderung unseres Kapitäns M. Wünderlich, aber der war wohlwollend und freundlich gestimmt.  Als der 1.Steward endlich erschien und  sich bei mir überschwänglich dafür bedankte, dass ich ihm aus dieser Patsche geholfen hatte, wurde mir bis zur Abreise aus Vera Cruz Landgang gewährt.

 

 

Ansichtskarte Vera Cruz 1965, mit Blick auf den Hafen

 

New Orleans,Louisiana

Ansichtskarte von New Orleans, wurde von mir 1965 nach Deutschland verschickt

 

 

New Orleans war so wie ich es mir vorgestellt hatte. Von den Erzählungen einiger Bordkameraden die es bereits kannten und aus Reisebüchern die ich gelesen hatte, wusste ich ungefähr was mich wohl erwarten würde. Aber es selbst zu erleben war doch ganz anders. Diese versprühte Lebenslust, dieses bunte Treiben auf allen Straßen und diese Musikalität in Form von Tanz, Pantomime und anderen Darbietungen, waren unglaublich. Die berühmte Bourbon Street ein einziges großes Musikfestival. An der Ecke St.Louis Street hatte 1962 der Musiker und Entertainer Al Hirt einen eigenen Music-Club eröffnet (s.o. auf der Postkarte). Da war ich, und erhoffte mir einen Live-Auftritt von ihm, leider nicht passiert. Stattdessen erstand ich eine LP von Al Hirt, ("Live At The Al Hirt Club") und einige Werbeprospekte über seinen Club. Der übrigens noch bis 1983 existierte. 1999 ist Al Hirt verstorben.

 

Java, 1963 - Al Hirt

Es hieß über ihn, er wäre ein Teil von New Orleans, wie Louis Armstrong und viele andere damals berühmte Interpreten. Die sechziger Jahre waren wohl eine glorreiche Zeit für die Musik-Szene in New Orleans. Ich war später, auf einigen anderen Reisen  in den US Golf immer wieder mal in New Orleans. Aber die Erlebnisse der ersten Reise waren wohl doch die Eindrucksvollsten.

 

 

Ansichtskarte New Orleans 1965

 

 

 

Nassau, Bahamas

Mit der MS "Nabstein" im Februar 1966 in Nassau/Bahamas

 

 

 

 

Nassau,Bahamas Hafen 1966

 

 

 

 

Ansichtskarte 1966
Ansichtskarte,Nassau Bahamas 1966

 

 

Im Februar 1966 war ich das zweite Mal auf den Bahamas, diesmal mit der MS „Nabstein“ vom Norddeutschen Lloyd Bremen. Schon lange vor der Ankunft im Hafen von Nassau umkreisten uns auf hoher See amerikanische Flugzeuge, Aufklärer. Die Kuba-Krise war noch allgegenwärtig. Wir mussten die Flaggen setzen, die uns als deutsches Schiff identifizierten. Ich erinnere mich noch gut an diese Reise, weil auf Nassau ein striktes Bade und Schwimmverbot in dem Hafenbecken bestand. Die Gefahr von Haien angegriffen zu werden war möglich.  Also ging ich trotz der tropischen Hitze in die Stadt. Vorbei an dem „Waterfront-Market“, der immer wieder faszinierte. Die Vielfalt der Früchte und die exotischen Gemüsesorten aber auch die in Handarbeit hergestellten Strohhüte und andere Souvenirs waren einzigartig. Mein Landgang führte mich auch an etlichen Hotels vorbei, riesige Bauten zum Teil noch aus der Kolonialzeit. Das Refugium der „Schönen und Reichen“ der sechziger Jahre. Protzig ragte auch der Gouverneurspalast in der Altstadt von Nassau zwischen den Palmen und Bäumen hervor. Das Musikalische Highlight im Jahr 1966 war wohl u.a. der Song der Beach Boys „Sloop John B.“ der Text befasst sich mit dem „Nassau Town“ und erzählt die Geschichte der Schaluppe (ein bis Zweimastkutter, Segelboot)  „John B.“ in Nassau. Auf dem Rückweg zu der “Nabstein“ schlenderte ich abermals über den „Waterfront-Market“ und versorgte mich mit frischem Obst. Im Hafen angekommen, beobachtete ich das  Laden und Verladen auf den Schiffen, und war selig auf dieser schönen Karibikinsel sein zu dürfen.

 

           Sloop John B. - Beach Boys

 

 

Ansichtskarte 1966, Gouverneurspalast Nassau,Bahamas

 

 

 Brownsville,Texas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Janis Joplin 1965 mit dem Song "Brownsville"